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Jubiläumsjahr mit
Vorträgen bereichert

 

Ganz unterschiedliche Ansätze – Informationen und Musik

 

Im Jahr des Reformationsjubiläums wird im Kirchenkreis aus  verschiedenen Blickwinkeln in die Geschichte geblickt. Zwei Veranstaltungen jüngst bereicherten das Jahresprogramm. Einmal ging es um die „Person Martin Luther“, zum anderen wurden in einem Mix aus Texten und Musik die „Reformatorinnen“ in den Blick genommen.

Frauen der Reformation vorgestellt

Im September gibt es im Kirchenkreis – zunächst in Altenkirchen (Landjugendakademie) und dann in Betzdorf (Stadtbücherei) eine umfangreiche Ausstellung zu dem Wirken von Reformatorinnen und auch ein entsprechendes Rahmenprogramm.  Bitte beachten!

Vor einigen Wochen griff Pfr. Dr. Michael Klein bei Vorträgen  in Hamm und Altenkirchen bereits die Person der „Kirchenmutter Katharina Zell“ auf und berichtete von deren engagierten und vielfältigen Wirken in der Zeit der Reformation. Katharina Zell war eine der wenigen namentlich bekannten Frauen in der Reformation, die Luther selbst getroffen hat. Andere Frauen ließen sich von den Schriften der Reformation inspirieren, forschten selbst, unterstützten verfolgte Prediger und verfassten Flugschriften und Liedtexte.
In der Birnbacher Kirche stellte Jessica Burri einem interessierten Publikum neben Katharina Zell die Reformatorinnen Argula von Grumbach und Ursula Weyda vor. Alle drei Frauen  mussten u.a. in brieflichen Auseinandersetzungen ihre Standpunkte vertreten. Jessica Burri – eine Sopranistin und erfahrene „Geschichtenerzählerin – las aus den Briefen, erzählte Biographisches zu den drei Reformatorinnen und begleitete dies alles mit verschiedenen Musikeinlagen.
So Choräle aus der Reformationszeit, die allesamt von Frauen mit Texten versehen wurden ( Elisabeth Cruciger) oder von Frauen herausgegeben wurden (Katharina Zell). Mit Flöten, Klangschalen und Dulcimer, teils Gesang, interpretierte Jessica Burri „Betgesang und Lobgesang“. Die Texte hatte Burri zuvor vorgetragen und so gelang das „Einhören“ in die alte Musik problemlos.
Viel Beifall gab es für Jessica Burris musikalische Lehrstunde in der Birnbacher Konzertreihe.
Im Anschluss hatten die BesucherInnen noch ausführlich Gelegenheit sich von der Künstlerin die verschiedenen Musikinstrumente erklären zu lassen.

Jessica Burri

Musikalisch und textlich gab Jessica Burri Einblicke in das Wirken von Frauen in der Reformation. Nach ihrem Konzert in der Birnbacher Kirche stellte sie den BesucherInnen ausführlich ihre Instrumente – u.a. die Dulcimer – vor.

Foto: F. Schumann

„Jedes Jahrhundert erschuf sich seinen passenden Luther“

Martin Luther  stand im Fokus von Dr. Dieter Bach, der im Forum der Kirchengemeinde  Altenkirchen referierte. Anhand verschiedener Perspektiven machte Bach deutlich, wie jede Zeit Luther für sich vereinnahmte: „Jedes Jahrhundert erschuf sich seinen passenden Luther“.

War es im 17. Jahrhundert der „kämpferische Luther“,  so propagierte man im 18. Jahrhundert den „zahmen und weltoffenen Luther“, Kaiser Wilhelm II vereinnahmte ihm für seine Zwecke rund um den 1. Weltkrieg ebenso wie die Nazis ab 1933. Sie  nutzten Luther „als großen Deutschen und Judenhasser“ für ihre politische Propaganda. „Bis in die Jetzt-Zeit hinein wird Luther ‚benutzt’ – da wo es politisch gewollt ist“, machte der Theologe und Pädagoge anhand von AfD-Schlagworten deutlich.

Für „Luthers Deutschsein“ zählte für die „Nationalisten“ unter anderem, dass er die Bibel ins Deutsche übersetzt hatte. Über die vielfältigen Interpretationen von Luthers „Denke“ im jeweiligen „Zeitgeist“  referierte Bach, der seinen Vortrag in die Aspekte „Luther und die Deutschen“ sowie „Luther und die Fürsten/ Bauern“ gegliedert hatte, anschaulich und zeigte auch immer wieder auf, dass die Entwicklung Luthers nicht immer gradlinig verlief. Zu komplex seien die Umstände gewesen, und in „bewegten Zeiten“ habe auch Luther nicht immer nachvollziehen können, was die reformatorischen Strömungen innerhalb eines vielfältig regierten Machtgefüges ausmachten, und sei selbst auf Irrwege geraten.
Insbesondere die Rolle Luthers und der reformatorischen Ideen beim Kampf der Bauern um ihre Rechte nahm Bach in den Blick. Ebenso die unterschiedlichen Definitionen eines „deutschen Reichs“ und einer „deutschen Nation“.  Hieraus ergab sich auch eine spannende Diskussion im Nachgang mit dem Publikum. Deutlich wurde, dass im Reformationsjubiläumsjahr nicht nur die Theologen und Historiker herausgefordert sind.
Die Bücherei der Evangelischen Kirchengemeinde Altenkirchen stellte daher an dem Vortragsabend eine Auswahl ihrer Literaturangebote rund um Reformation und Luther vor. Interessierte können auch in den kommenden Monaten in der öffentlichen Bücherei noch viel Anregendes und viel Diskussionsstoff ausleihen.
Pfarrerin Kirsten Galla, die die Jubiläumsaktionen im Evangelischen Kirchenkreis verantwortet, gab einen Überblick über anstehende Veranstaltungen im Kirchenkreis und lud zu weiteren „Einblicken“ ein.
Dieter Bach, der sich seit vielen Jahren für die Werkstatt für Menschen mit Behinderung in der russischen Stadt Pskow engagiert, nutzte den Besuch in Altenkirchen – hier kennt man ihn gut als ‚Botschafter Pskows’ – um über Neuigkeiten des Projektes zu berichten: „Die finanzielle Lage dort wird zunehmend schwieriger.“  Zur Unterstützung vor Ort bot er Holzwaren an, die in der von der rheinischen Kirche initiierten Einrichtung für Menschen mit Behinderungen aus allen Altersgruppen gefertigt ist, an. Auch ein wohl gefülltes Spendenkörbchen konnte er mitnehmen.

Dr. Dieter Bach

Dr. Dieter Bach referierte in der Evangelischen Kirchengemeinde Altenkirchen nicht nur anlässlich des Reformationsjubiläums zu „Luther und die Deutschen“, sondern nutzte die Gelegenheit, Neuigkeiten zum „Projekt Pskow“, das seit Jahren auch von Altenkirchen engagiert begleitet wird, vorzustellen. Er hatte auch wieder allerhand Holzwaren der Behinderten-Einrichtung mitgebracht. Foto: Petra Stroh