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Notfallseelsorge

 

Vorbereitet sein auf den Tod in der Schule

Schulreferent Martin Autschbach: Koffer leistet Erste Hilfe im Krisenfall

Meist völlig unvorbereitet trifft es Schulfreunde, Klassenkameraden und Lehrer: ein Platz im Klassenraum bleibt plötzlich leer – ein Unfalltod, eine Krankheit, ein Unglück am Ferienort.

Ob es der „Morgen danach“ oder der erste Schultag nach den Ferien ist: Das schulische Umfeld muss und will auf dem Tod des Schülers reagieren. Eine Herausforderung, die fast alle überfordert. Gelähmt von einer Todesnachricht wird Handeln gefragt, das nicht alltagsgeübt ist; fern von allen bekannten Verhaltensmustern.

Bei einem Konvent von Pfarrern, Notfallseelsorgern und den Kriseninterventionsteams der heimischen Schulen im Juni 2011 beschäftigte sich die „ökumenische“ Runde auch intensiv mit diesen Momenten der Hilflosigkeit.

Schulreferent Martin Autschbach von den irchenkreisen Altenkirchen und Wied entwickelte aus den Bedürfnissen der Schulen heraus nun ein offenes, wachsendes Konzept und stellte die Grundausstattung eines Koffers zusammen, der in den unterschiedlichsten Krisensituationen „Erste-Hilfe“ bieten soll. Unterrichtsstunden und Gespräche mit Schülern lieferten dem Theologen darüber hinaus wertvolle Anregungen, was in einem solchen „Notfallkoffer“ Platz finden soll. Unterstützt wird das Projekt von Landespfarrer Dr. Uwe Rieske.

Martin Autschbach

Pfarrer Martin Autschbach hat ein Konzept für einen „Notfall-Seelsorge-Koffer“ erarbeitet und einen Prototypen zusammengestellt. Schulen können mit dem Koffer, bzw. dem dahinter stehenden Konzept, schnell auf den plötzlichen Tod eines Schülers reagieren.
Foto: Petra Stroh

 

Über die Akutphase hinaus Hilfe leisten

Der Notfall-Seelsorge-Koffer will über die „Akutphase“ hinaus Begleiter sein für die Tage bis zur Beerdigung/Abschiedsfeier, bietet Hilfen und viel „praktisches Inventar“.

Deshalb bietet der Notfall-Koffer nicht nur die zahlreiche Hilfsmittel zur Gestaltung eines Trauerraums, sondern auch Bilderrahmen, Süßigkeiten, Taschentücher, ein Kondolenzbuch oder Hilfsmittel, um etwa eine „Tränenwand“ zu gestalten.

Hilfreich sollen für die Lehrer und Schulleitungen auch die Anregungen für Kondolenzschreiben, Elternbriefe oder Traueranzeigen sein.

 

Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen entscheidend

„Alles sind Anregungen“, unterstreicht Martin Autschbach. „Das Konzept ist von Anfang an auf die Teilhabe und aktive Trauerarbeit von Kindern und Jugendlichen hin entfaltet!“ Ihnen soll ein möglichst hohes Maß an Entscheidung und Mitwirkungsmöglichkeit in der Gestaltung ihrer persönlichen Trauerarbeit eingeräumt werden.

Denn: Kinder und Jugendliche können selbst auf ihre besondere Art mit ihren Worten, Gesten und Ritualen trösten und Mut spenden. Autschbach: „Auf dieses Potential können wir gerade bei Todesfällen im Lebensraum Schule nicht verzichten!“

Die Anregungen, die Schüler bislang schon zu den Ideen des Koffers beitrugen, wurden ebenso eingearbeitet, wie wertvolle Hinweise, z.B. im Blick auf das Verhalten in Sozialen Netzwerken. So ist es für die Schüler bei der Erstellung eines „virtuellen Trauerraums“ wichtig, dass schnell ein Administrator gefunden wird. Mit der „Trauerfarbe Schwarz“ können die Schüler- so Autschbach – übrigens wenig anfangen. Gewollt ist aber eine große Schale oder Gefäß an einer Gedenkstelle im Foyer oder einem Trauerraum, in dem handschriftliche Trauerbekundungen einen festen Platz haben.

 

Nicht auf bestimmte Religion oder Konfession eingegrenzt

Dass die Kofferidee von einem evangelischen Theologen kommt, schließt keinen aus, macht Autschbach deutlich. „Die Handlungsperspektive der Krisenintervention im Sinne unseres NFS-Koffers für die Schule ist eine seelsorgerlich ambitionierte, christliche Sichtweise. Die angebotenen Handlungsoptionen, Materialien und Ideen sind allerdings nicht auf eine bestimmte Religion oder Konfession einzugrenzen.“

 

Weitere Projektideen sollen folgen

Mit dem Konzept für den NFS-Koffer beim „plötzlichen Tod eines Schülers“, ist erst eine Projektidee Autschbachs umgesetzt. In Vorbereitung sind Hilfestellungen für weitere Trauersituationen, wenn z.B. ein Schüler nach längerer Krankheit verstirbt, Lehrer tödlich verunfallen oder Geschwisterkinder/Eltern eines Schülers. Das Konzept ist darauf ausgerichtet – so Autschbach - , dass jede Schule ihre eigenen Trauerkoffer hat. Ein Reader mit konkreten Ablaufplänen und Inhaltsvorschlägen liegt bereits in vielen Schulen. Natürlich ist es möglich, dass das Schulreferat bei der Zusammenstellung der Koffer die Schulen unterstützt. „Ausleihen bei Bedarf“ ist zwar grundsätzlich möglich aber im Ernstfall eher schwierig, weil die Notfallsituationen schnelle Reaktionen und wenig Umwege brauchen. Autschbach klärt derzeit ab, ob in Zusammenarbeit mit Einrichtungen, etwa der Behindertenarbeit, einzelne Utensilien (Kreuze, Kerzen oder Tücher) gefertigt und angeboten werden können. Noch besser sei allerdings, wenn die Schule ihre eigenen Kapazitäten nutzen und die Gegenstände etwa in Unterrichtsprojekten oder in Kooperationen mit den örtlichen Kirchengemeinden fertigt und so wiederum Schüler aktiv beteiligt werden.

Infos zum Notfallkoffer: Pfarrer Martin Autschbach, Schulreferat der Ev. Kirchenkreise Altenkirchen und Wied (02681/80 08 27), autschbach@kk-ak.de . PES.